Gründerin bibliobox
Arwa Elabd liebt Bücher und gibt mit der bibliobox Autor:innen aus marginalisierten Gruppen Raum und leistet damit große Entwicklungsarbeit. Arwas erklärtes Ziel: Dass Kinder und Jugendliche beim Lesen sagen können: „Das bin ja ich!“ – denn Repräsentanz verändert das Selbstbild.
Interview mit Arwa Elabd vom 14. März 2023. Transkript
Bücher gegen blinde Flecken der Gesellschaft
Als Arwa Elabd als Deutsch- und Spanischlehrerin an einer Wiener Schule unterrichtete, suchte sie Bücher, in denen ihre Schüler mehr fanden als die immer gleichen Klassiker. Doch die Regale erzählten nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit: Der schulische Literaturkanon blieb überwiegend weiß und männlich geprägt. Elabd suchte gezielt nach deutschsprachiger Literatur mit diversen Figuren, fand aber nur schwer Bücher mit nicht-weißen Protagonist:innen. Und wenn solche Figuren vorkamen, standen häufig Rassismus, Krieg, Trauma oder Vorurteile im Zentrum — selten Abenteuer, Freundschaft oder erste Liebe.
Aus dieser Lücke entstand 2020 bibliobox: zunächst als Online-Projekt, später als Buchhandlung, Kulturraum und Treffpunkt in Wien-Ottakring. Elabds Anspruch ist klar: „Die bibliobox ist ein Versuch, dem männlichen, weißen Literaturkanon entgegenzutreten.“ Ihr Sortiment setzt auf Schwarze Autor:innen, Autor:innen of Color und Stimmen, die im klassischen Literaturbetrieb oft übersehen werden. Dazu gehören Romane, Kinderbücher, Jugendbücher, Sachbücher, englischsprachige Titel, Erstübersetzungen und Literatur aus Ländern wie Nigeria, Malaysia oder Brasilien.
Bei bibliobox landet nicht einfach im Regal, was sich gut verkauft. „Jedes der Bücher ist handgepflückt“ — das heißt: von Elabd gelesen, geprüft und bewusst ausgewählt. Was keinen Platz bekommt, benennt sie ebenso klar: „Rassistische, sexistische oder islamfeindliche Literatur.“ Stattdessen konzentriert sie sich auf empowernde Autor:innen und Geschichten, in denen unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar werden — ohne sie auf Schmerz, Ausgrenzung oder Problemgeschichten zu reduzieren.
bibliobox ist damit mehr als eine Buchhandlung. Der Ort ist Beratungsstelle für Schulen, Raum für Lesungen, Workshops, Community-Abende und ein literarischer Safe Space. Elabd beschreibt ihn so: „Was hier verkauft wird, ist Expertise.“ Genau darin liegt die Kraft von bibliobox: Bücher sollen nicht ausschließen. Sie sollen Räume öffnen — und zeigen, dass jede Lebensrealität erzählenswert ist.