Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Feministin
In ihrem Podcast „Große Töchter“ spricht sie mit ihren Gäst:innen scharfsinnig über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Ihre Bücher „Patriarchale Belastungsstörung“ und „Entromantisiert euch!“ sind feministische Pflichtlektüre.
Interview mit Beatrice Frasl vom 14. September 2021. Transkript
Die Frau, die Liebe, Psyche und Patriarchat politisch macht.
Beatrice Frasl ist Autorin, Podcasterin, Kolumnistin, Vortragende und eine der pointiertesten feministischen Stimmen Österreichs. Aufgewachsen im Weinviertel, lebt und arbeitet sie heute in Wien. Bekannt wurde sie mit dem Podcast „Große Töchter“, in dem sie politische Debatten, Popkultur und Machtverhältnisse aus feministischer Perspektive betrachtet.
Auf Social Media tritt sie als @fraufrasl auf und nutzt ihre Reichweite für Aufklärung zu psychischer Gesundheit, Feminismus und patriarchalen Strukturen. In „Große Töchter“ greift sie Themen auf, die oft als privat gelten, aber politisch sind: Körperbilder, Sexismus, Care-Arbeit, Gewalt, Beziehungen, Medienbilder, mentale Gesundheit — und den Gender Gap in der Medizin, durch den Frauen bis heute benachteiligt werden.
Ihr Sachbuch „Patriarchale Belastungsstörung. Geschlecht, Klasse und Psyche“ erschien 2022. Darin verbindet Frasl psychische Gesundheit mit Machtverhältnissen, sozialer Ungleichheit und Geschlechterrollen. Ihre zentrale These: „Das Patriarchat macht krank.“ Mentale Gesundheit ist nicht nur privat, sondern politisch.
2025 folgte „Entromantisiert euch! Ein Weckruf“. Darin kritisiert Frasl die romantische Liebe als gesellschaftliches Organisationsmodell, das besonders Frauen belaste. Sie ist überzeugt, dass tiefe Freundinnenschaften tragfähiger sein können als die Fixierung auf die eine romantische Beziehung. Zugleich zeigt sie, dass Männer in heterosexuellen Beziehungen oft deutlich stärker profitieren als Frauen. Im Gespräch mit The Gap sagte sie: „Wir brauchen Freundinnenschaften und Community.“ Ihre Diagnose: „Die romantische Beziehung ist am Ende.“
Frasl spricht über Erschöpfung, Beziehungsideale, Einsamkeit, Fürsorgearbeit und psychische Belastung — Themen, die viele im Alltag spüren, aber selten politisch benennen. Ihre Stärke liegt darin, persönliches Leiden als gesellschaftliche Frage sichtbar zu machen: Veränderung beginnt dort, wo Menschen aufhören, ihre Belastung für eigenes Versagen zu halten.