Judith Kohlenberger

Migrationsforscherin und Leiterin des FORM (WU Wien)

Judith Kohlenberger ist eine der prominentesten Kulturwissenschaftlerinnen mit Fokus auf Flucht und Vertreibung im deutschsprachigen Raum und leitet das Forschungsinstitut für Migration und Flucht (FORM). Sie steht täglich auf Bühnen oder gibt in Medien Auskunft zum Thema Migration und wie Ungleichheit und Ungerechtigkeit allen schaden.

 

Interview mit Judith Kohlenberger vom 29. Juli 2021.      Transkript

 

Judith Kohlenberger ist eine der klarsten Stimmen Österreichs, wenn es um Flucht, Migration und gesellschaftlichen Zusammenhalt geht. Sie ist habilitierte Soziologin an der Wirtschaftsuniversität Wien, leitet dort das Forschungsinstitut für Migrations- und Fluchtforschung und -management (FORM) und forscht seit 2015 zu Flucht, Asyl, Integration, Teilhabe und Zugehörigkeit.

Besonders eindringlich wird Kohlenberger, wenn sie über Flucht spricht. In Das Fluchtparadox (2022) beschreibt sie den zentralen Widerspruch europäischer Asylpolitik: Wer ein Recht auf Asyl hat, muss in der Realität häufig Grenzen irregulär überschreiten, um dieses Recht überhaupt geltend machen zu können. Flucht ist für sie kein abstrakter Vorgang, kein Verwaltungsakt, keine Bewegung auf einer Landkarte. Flucht ist ein existenzieller Bruch.

In Gegen die neue Härte (2024) und Grenzen der Gewalt (2024) erweitert sie diesen Blick: Abschottung verändert nicht nur das Leben Schutzsuchender, sondern auch die Gesellschaften, die sie praktizieren.

Ihr Denken beginnt dort, wo politische Parolen enden. Sie betrachtet Migration nicht nur durch die Sicherheitsbrille, sondern fragt danach, was Menschen mitbringen: Bildung, Erfahrung, Mut, Widerstandskraft, den Willen, das eigene Leben zu gestalten. Genau darin liegt die Kraft ihres Denkens. Kohlenberger verschiebt den Fokus vom Defizit zum Potenzial für eine gelingende Integration. Sie nimmt das Leid ernst, ohne Menschen darauf zu reduzieren. Sie erkennt Schutzbedürftigkeit an, ohne Selbstbestimmung zu übersehen.

Judith Kohlenberger ist eine große Tochter Österreichs, weil sie zeigt, dass Sicherheit und Menschlichkeit kein Gegensatz sein müssen. Kohlenberger besitzt eine besondere Autorität: wissenschaftlich präzise, politisch wach, menschlich zugewandt.

Ihre Arbeit ist ein Appell, Grenzen nicht härter, sondern gerechter zu denken.

 

Forschungsinstitut für Migrations- und Fluchtforschung und -management (FORM)

Judith Kohlenberger

 

Mit freundlicher Unterstützung von: Topio GmbH, Jakob Grohmann

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