Gründerin StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt
Maria Rösslhumer widmet ihr Leben dem Einsatz gegen Gewalt an Frauen. Sie war viele Jahre Leiterin des Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555. Sie gründete den Verein StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt in Österreich, dessen Vorsitz sie seit 2024 innehat.
Interview mit Maria Rösslhumer vom 8. Juli 2021. Transkript
Maria Rösslhumer ist eine der prägenden Stimmen im Kampf gegen Gewalt an Frauen in Österreich. Die Politikwissenschaftlerin leitete über zwei Jahrzehnte den Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und war maßgeblich am Aufbau der Frauenhelpline 0800 222 555 gegen Gewalt beteiligt. Der AÖF steht als Netzwerk von 16 autonomen Frauenhäusern für Schutz, Beratung, Prävention und politische Sensibilisierung.
Österreich weist seit Jahren eine auffallend hohe Femizidrate auf. Rösslhumers Arbeit beginnt dort, wo Gewalt oft verborgen bleibt: im eigenen Zuhause. Sie benennt häusliche Gewalt nicht als privates Drama, sondern als gesellschaftliches und strukturelles Problem. Gerade deshalb wirkt ihr Ansatz so kraftvoll: informieren, schützen, empowern – und das Umfeld in Verantwortung bringen.
Mit StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt brachte sie ein Präventionsprojekt nach Österreich, das Nachbar*innen ermutigt, hinzusehen, Zivilcourage zu zeigen und betroffene Frauen nicht allein zu lassen. Innerhalb weniger Jahre wurde StoP in allen neun Bundesländern etabliert.
Was Rösslhumer auszeichnet, ist ihr beharrliches Dranbleiben. Die Rebellion ist nicht laut, sondern gebündelt. „Die Vehemenz ist sehr wohl da“, sagt sie – ebenso die Präsenz, das Aufzeigen, das Benennen. Genau darin liegt ihre Kraft: Missstände nicht beschönigen, Machtverhältnisse sichtbar machen und Frauen nicht als Opfer festschreiben. Dass sie Feministin wurde, erklärt sie persönlich und pointiert: „Mich hat der Katholizismus zum Feminismus gebracht.“ Die Zumutung, Frauen in Unterwürfigkeit und Opferrollen zu drängen, wurde für sie zum Antrieb.
2020 erhielt Maria Rösslhumer den Menschenrechtspreis für ihr außerordentliches Engagement für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder. Ihr Portrait ist das einer Frau, die Schutz nicht als Fürsorge von oben versteht, sondern als Ermächtigung: Frauen sollen nicht Opfer bleiben müssen, sondern Menschen mit Würde, Rechten und Handlungsmacht sein.
Verein StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt
StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Buch: „Wenn Frauen zu sehr schuften. Vom Wunsch, die Welt zu retten.“ Maria Rösslhumer und Eva Surma