Melisa Erkurt

Autorin und Gründerin von Die Chefredaktion

Melisa Erkurt gehört zu einer jungen Generation an Journalist:innen, die daran arbeitet, wenig gehörte Stimmen in den Fokus zu stellen. Erkurt gründete „Die Chefredaktion“, die jungen und diversen Journalist:innen eine Plattform bietet und in sozialen Medien mit schlauen Formaten beeindruckt.

 

Interview mit Melisa Erkurt vom 9. März 2023.      Transkript

 

Melisa Erkurt weiß, was es bedeutet, wenn Institutionen über Zukunft entscheiden: Schule darüber, wer gefördert wird. Medien darüber, wer sichtbar wird. Öffentlichkeit darüber, wem zugehört wird.

1991 in Sarajevo geboren, kam sie als Kind aus Bosnien nach Österreich. Später studierte sie Deutsch, Psychologie und Philosophie, arbeitete als Lehrerin und Journalistin, war Redakteurin beim Magazin biber und beim ORF Report, schrieb für Falter und taz und leitet seit Jänner 2021 das Medienprojekt die_chefredaktion.

Mit „Generation haram. Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben“ machte Erkurt sichtbar, was im Bildungssystem oft verdrängt wird: dass Chancengleichheit kein Versprechen bleiben darf, solange Herkunft, Sprache und soziale Lage Bildungswege mitbestimmen. Schon die Widmung ihres Buches ist Programm: „Für alle, die nie eine Chance hatten.“ Für „Generation haram“ wurde sie 2020 mit dem Bruno-Kreisky-Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ ausgezeichnet.

Erkurt schreibt über Jugendliche, die ständig erklärt bekommen, was ihnen fehlt – statt gefragt zu werden, was sie brauchen. Über ein Schulsystem, das Leistung fordert, aber ungleiche Startbedingungen zu oft übersieht. Sprache ist dabei Schlüssel und Grenze zugleich: Wer sprechen darf, wird gehört. Wer gehört wird, kann mitgestalten.

Auch in ihren journalistischen Arbeiten zieht sich dieser Gedanke durch. Erkurt schreibt und spricht über Rassismus, Klassismus, Zugehörigkeit, Medienbilder und die Frage, wer in Österreich als „normal“ gilt. Ihre Kritik richtet sich nicht nur an Schulen, sondern auch an Redaktionen: „Viele Journalist*innen erkennen nicht, dass sie ihrem Job nicht gerecht werden, wenn sie die Gesellschaft nicht abbilden“, sagte sie 2021 in einem Interview.

Mit die_chefredaktion macht Erkurt Journalismus für Menschen, die klassische Medien oft nicht erreichen: direkt, divers, verständlich und nah an ihren Lebensrealitäten. Das Projekt produziert Inhalte auf Instagram und TikTok und versteht sich als junges, unabhängiges Medium, das die Lebensrealität der Gen Z stärker abbildet als traditionelle Medien.

 

@die_chefredaktion

Hinter den Millionen – Podcast „Über Selfmade-Mythen und Menschen, die wirklich selbstgemacht sind“. Mit Marlene Engelhorn und Melisa Erkurt.

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