Aktivistin gegen Machtmissbrauch im Sport
Nicola Werdenigg, ehemals Skirennläuferin, hat ein Tabu gebrochen: Sie machte Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt im ÖSV öffentlich. Als Gründerin von #WeTogether und Mitinitiatorin der Vertrauensstelle vera* stellt sie sich vehement und unbeugsam strukturellem Missbrauch entgegen und an die Seite der Betroffenen.
Interview mit Nicola Werdenigg vom 7. Juli 2021. Transkript
Nicola Werdenigg kennt den österreichischen Skisport von innen: den Glanz, den Ehrgeiz, die Härte — und jene Seiten, über die lange kaum jemand sprechen wollte. Mit 15 Jahren startet die junge Tirolerin erstmals im Weltcup und lebt den Traum einer Skiprofi-Karriere.
Doch hinter dem Bild vom „Nationalheiligtum Skisport“ erlebt Werdenigg als Jugendliche sexualisierte Gewalt im Umfeld des Spitzensports. Jahrelang schweigt sie. 2017 macht sie ihre Erfahrung öffentlich — und bricht damit ein Schweigen, das weit über ihre eigene Geschichte hinausreicht.
Ihre Veröffentlichung löst eine breite Debatte über Machtmissbrauch, Abhängigkeiten und Verantwortung im österreichischen Skisport aus. Im Feuer der öffentlichen Meinungen wird Werdenigg angegriffen, infrage gestellt, aber auch von vielen Menschen ermutigt. Weitere Betroffene erheben ihre Stimme und folgen der Profisportlerin auf dem Weg in die Öffentlichkeit. Aus einer persönlichen Aussage wird ein Anstoß für strukturelle Aufarbeitung. Es folgen Untersuchungen, personelle Konsequenzen und neue Schutzstrukturen.
Heute steht Nicola Werdenigg für ein Engagement, das präzise, beharrlich und menschenrechtlich begründet ist. Sie spricht über Machtmissbrauch nicht als abstraktes Problem, sondern als Realität, die dort entstehen kann, wo Abhängigkeiten, Schweigen und fehlende Kontrolle zusammentreffen.
Prävention ist einer ihrer großen Antriebe: handeln, nicht schweigen, nicht wegsehen. Mit Initiativen wie #WeTogether und der Vertrauensstelle vera* sind konkrete Anlaufstellen für Betroffene entstanden — vertraulich, kostenlos und mit dem Ziel, Kunst, Kultur und Sport sicherer zu machen. Mit „Persona Non Grata“ widmete Antonin Svoboda Werdeniggs Geschichte und vielen weiteren Betroffenen 2024 einen Spielfilm über Macht, Schweigen und den Mut zur Öffentlichkeit.
Werdeniggs Geschichte zeigt, wie aus persönlichem Mut gesellschaftliche Verantwortung werden kann.
Nicola Werdenigg – Für Menschenrechte & eine faire Zukunft
*vera Vertrauensstelle gegen Belästigung und Gewalt in Kunst, Kultur und Sport.
Buch „Ski. Macht. Spiele.„